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Zusammenfassung Heft 20


Freiburger Bodenkundliche Abhandlungen

Schriftenreihe des

Institut für Bodenkunde und Waldernährungslehre
der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
Schriftleitung: F. Hädrich


Heft 20


Friedhelm Hädrich

Das Quartär von Mengen am Oberrhein - Ergebnisse einer Forschungs-Kernbohrung

Mit einem Beitrag zur Molluskenfauna
von Klaus Münzing

Freiburg im Breisgau 1987

ISSN 0344-2691


Zusammenfassung:

Während die aus dem südlichen Oberrheingebiet bekannten Löß-Aufschlüsse ausschließlich in Oberhang-, Kuppen- oder Plateaulage vorkommen, kann hier erstmalig über ein Lößprofil in Unterhang oder Tallage berichtet werden.
Das Profil wurde im Juli 1983 durch eine Forschungs-Kernbohrung nördlich der Ortschaft Mengen bei Freiburg i.Br. erschlossen, an deren Auswertung eine Reihe von Wissenschaftlern beteiligt sind. Die Bohrung erreichte eine Tiefe von 28,95m. Die Bohrstelle liegt etwa in der Mitte der "Mengener Brücke", jenem Lößrücken, der den Tuniberg im NW mit dem Batzenberg als Teil der Schönberg-Hochfirst-Gruppe im SE orographisch verbindet. Die Bohrung durchteufte eine Sedimentfolge unterschiedlichster Faziestypen: Lößfazies (Schwemmlöß, Gleylöß, Fließlöß, vergleyter Fließlöß, Fließerde und Paläoböden), lacustre Fazies und fluviale Fazies (Basissand).
Grundlage vorliegender Arbeit sind die überwiegend nach Geländebefunden am Bohrkern erhobene Profilbeschreibung und die an den insgesamt 77 Proben bestimmten bodenkundlich-sedimentologischen Grunddaten sowie die an ausgewählten Proben ermittelten mollus-kenkundlichen Daten.
Die festgestellten Sedimenttypen und Paläoböden werden ausführlich beschrieben, genetisch erklärt und definiert.
Besonders wird den Fragen nach der in weiten Profilabschnitten herrschenden Vergleyung nachgegangen. Es wird versucht, die durch Grundwassereinfluß bewirkte Feinbänderung für inhomogene und homogene Sedimente genetisch zu erklären. Die Differenzierung in reduzierte und oxidierte Bänder hat bei den inhomogenen Sedimenten (Fließlösse, vergleyte Fließlösse und Fließerden) ihre Ursache in texturellen und strukturellen Unterschieden zwischen den Feinschichten sowie in Unterschieden im primären Humusgehalt. Bei den homogenen Gleylössen wird die genetische Erklärung der Bände-rung nach dem Prinzip der LIESEGANG'sehen Ringe versucht, der Ionendiffusion und rhythmischen Fällung von Fe-Oxiden.
Danach folgen Ausführungen zu den malakofaunistischen Befunden von Herrn MÖNZING. Eine Zusammenfassung der molluskenkundlichen Ergebnisse wird  in Abschnitt 4.4 gegeben.
Dann wird die Erstellung einer Chronostratigraphie des Profils auf der Grundlage der Funde von Artefakten, vulkanischen Gläsern und bestimmter Mollusken sowie lithostratigraphischer Vergleiche mit anderen Quartärprofilen am Oberrhein versucht. Das Profil enthält mindestens 5 entkalkte, verlehmte und z.T. humose Paläoböden bzw. Paläobodenreste oder Palaobodenaquivalente (Fließerde, tonreiches lacustres Sediment).

Der oberste fossile Boden ist eine durch Ziegelfunde belegte holozäne Parabraunerde (E), der zweitoberste (D) der Bt-Rest einer eemzeitlichen Parabraunerde mit hangender, altwürmzeitlicher Humuszone. Diese Eemposition ist durch Funde vulkanischer Gläser in der Humuszone und durch einen Molluskenfund im liegenden Löß, vor allem aber auch durch lithostratigraphische Vergleiche mit dem in neuerer Zeit paläomagnetisch und durch Thermo-luminszenz-Messungen untersuchten Profil von Riegel am Kaiserstuhl gesichert worden. Die Folge von Gley- und Fließlössen unterhalb D, zumindest bis in Tiefe 16,50 m, wird der Rißkaltzeit zugezählt. Die weiter abwärts im Profil gelegenen Schichten konnten nicht näher datiert werden.
Die Lößfazies geht bei Tiefe 25,08 m in eine Folge humoser stark reduzierter, kalkarmer bis kalkfreier, stark toniger Stillwassersedimente (lacustre Fazies) über, auf die bei 28,40m unmittelbar der Basissand in fluvialer Fazies folgt. Durch Vergleich mit den "Älteren Schwarzwaldschottern" des Markgräflerlandes (Profil Heitersheim und Buggingen) kann glaubhaft gemacht werden, daß dieser Sand ein altpleistozänes Alter besitzt.
Aus der Bohrung ergaben sich geologisch-geomorphologische Konsequenzen für den Aufbau und die Erhaltung der Mengener Brücke. Der Lößuntergrund wird nicht - wie vielleicht aus der Form zu vermuten war - durch lacustre und fluviale pleistozäne Lockergesteine gebildet. Durch Vorhandensein und Tiefenlage des fluvialen Sandes erscheint die Mengener Brücke als Lößfalle im Windschatten des Tunibergs. Sie liegt in der Randdepression zwischen den plei-stozän-holozänen Schwemmfächern der Dreisam im N und dem Möhlin-Neumagen-System im S. Hier hielt die fluvial-lacustre und später die äolische Sedimentation vermutlich seit dem Alt- oder Mittel-pleistozän an, während randlich davon in diesen Faziestypen entweder gar nicht sedimentiert oder immer wieder erodiert wurde, die fluviale Sedimentation von kristallinen Lockergesteinen aus dem Schwarzwald in Schwemmfächerfazies aber bis in Holozän andauerte.

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