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Zusammenfassung Heft 42


Freiburger Bodenkundliche Abhandlungen

Schriftenreihe des

Institut für Bodenkunde und Waldernährungslehre
der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.
Schriftleitung: P. Trüby


Heft 42


Oscar Thiers

Roble (Nothafagus obliqua [Mirb.] Oerst.)-Sekundärwälder in Zentral- und Südchile:
Bestimmung der für die Bestandesproduktivität wichtigen Standortsfaktoren


Freiburg im Breisgau 2004

ISSN 0344-2691


Zusammenfassung:

Problemstellung und Ziele

Die Fläche der Sekundärwälder Chiles mit dominierenden Anteilen von Nothofagus obliqua beträgt ca. 1,6 Mio. ha (CONAF et al. 1999). Aufgrund der hohen Produktivität und der guten waldbaulichen Möglichkeiten wurden diese Wälder von öffentlichen und privaten Waldbesitzern im letzten Jahrzehnt besonders beachtet. Die Beziehung zwischen den Standortfaktoren und dem Bestandeswachstum sollte ein wesentliches Element der forstlichen Planung sein. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die Standortvariabilität der N. obliqua-Wälder zu erfassen. Weiterhin wurden die für das Wachstum dieser Wälder beeinflussenden klimatischen und edaphischen Standortfaktoren unter Berücksichtigung verschiedener räumlicher Maßstabsebenen untersucht.

Untersuchungsgebiet

Das Untersuchungsgebiet liegt zwischen dem 35°04' und 41°08' südlichen Breitengrad und wird im Norden durch die Provinz Curicó (VII Region) und im Süden durch die Provinz Llanquihue (X Region) begrenzt. Die N.obliqua-Bestände des untersuchten Gebietes liegen innerhalb der drei größten geomorphologischen Regionen Chiles: Vor-Andengebirge (n=12), Längstal (n=21) und Vor-Küstenkordillere (n=1).

Material und Methoden

Die in der vorliegenden Arbeit verwendeten Daten basieren auf drei an der Universidad Austral de Chile (UACh) durchgeführten Projekten. Diese Informationsquellen haben unterschiedliche räumliche Bezüge, die von einem landesweiten (DONOSO et al. 1993) über einen regionalen (LARA et al. 1999) bis zu einem lokalen (THIERS 2000) Maßstab reichen. Die klimatischen Daten basieren auf drei Informationsquellen (SCHLATTER et al. 1997; 1995; SANTIBANEZ und URIBE 1993). Zur Aufnahme der Bodenprofile und zur Probengewinnung wurde das gleiche Verfahren für die Standorte aller drei Maßstabsebenen verwendet (SCHLATTER et al. 1981; SCHLATTER et al. 1989). Für jede der drei Maßstabsebenen wurden die Boden- und Klimadaten der N.obliqua-Bestände mit Hilfe von deskriptiver Statistik beschrieben. Die Variabilität der Standortproduktivität der N.obliqua-Bestände wurde mit Hilfe der Hauptkomponentenanalyse (HKA) ermittelt (ISEBRANDS und CROW 1975). Anhand von Korrelations- und Regressionsdaten konnte der Zusammenhang zwischen ausgewählten Produktivitätsparametern von N.obliqua-Sekundärwäldern mit edaphischen und klimatischen Standortvariablen dargestellt werden.

Ergebnisse

Eigenschaften vulkanischer Ascheböden unter N. obliqua-Wäldern

Die Böden aus jungen und mittelalten vulkanischen Aschen verfügen generell über eine hohe Bodenfruchtbarkeit. Durch rasche Streuumsetzung in den Oberböden herrscht L-Mull (2-4 cm) als dominierende Humusform vor. Unter der Humusauflage hat sich ein Ah-Horizont ausgebildet, der normalerweise von zwei Übergangshorizonten (AB,BA), B-Horizonten und einem C-Horizont unterlagert wird. Der B-Horizont hat bereits den Prozeß der Verbraunung durchlaufen. Im allgemeinen sind die vulkanischen Böden tief bis sehr tief (120 ± 20 cm) entwickelt. Die Böden sind stets skelettfrei. Die häufigsten Bodenarten sind sandiger Schluff (Us) und Schluff (U). Die Trockenraumdichte (TRD) liegt im gesamten Bodenprofil relativ homogen bei Werten zwischen 0,40 und 0,60 g/cm3. Die nutzbare Wasserspeicherkapazität (nWSK) liegt bei 200 - 250 mm pro 1 m Bodentiefe.

Die pH (H2O)-Werte liegen überwiegend mit Werten zwischen 5,5-6,0 im gemäßigt sauren pH-Bereich. Die vulkanischen Böden sind reich an organischer Substanz. Im Oberboden betragen die Medianwerte 80-90 mg C /g. Die Vorräte der meisten Nährelemente weisen mittlere bis hohe Bewertungsstufen auf. Der Hauptwurzelraum der N.obliqua-Bestände befindet sich in den Oberbodenhorizonten, in denen 58 -73% der Feinwurzeln (<2 mm) zu finden sind. Über die Hälfte der Ah-Horizonte besitzen jedoch geringe bis sehr geringe pflanzenverfügbare P-Gehalte (1-4 mg/kg). Die Böden aus vulkanischen Aschen besitzen ein hohes bis sehr hohes Adsorptionspotential für P. Es konnte eine signifikant negative Beziehung zwischen extrahierbarem Al und verfügbarem P festellt werden. Das Adsorptions-Maximum (Smax) von P (Langmuir-Adsorptionsisotherme) liegt zwischen 100 und 400 µg/g TS. Bei Böden mit Werten >1.500 mg/kg an extrahierbarem Al ist die Menge an verfügbarem P < 4 mg/kg.

Die Böden mittelalter vulkanischer Aschen zeigen eine stärkere Verwitterungsintensität als die Böden junger Aschen. Bei den mittelalten Ascheböden besteht im Unterboden kein wesentlicher Unterschied zwischen den in H2O und in KCl gemessenen pH-Werten (pH 5,5-6,0). Zudem sind die Nährelementgehalte (P, K, Ca und Mg) im Unterboden bei Böden mittelalter Aschen, niedriger als die der jungen Aschen. Trotz dieser Unterschiede können mittels der hier eingesetzten Methoden keine für alle Standorte eindeutigen Aussagen über die Verwitterungsintensität beider Bodengruppen getroffen werden.

Ernährungszustand von N. obliqua-Wäldern

Der Ernährungszustand von N.obliqua-Beständen liegt für die Haupt- (N, P, K, Ca, Mg) und Spurenelemente (Fe, Zn, Mn, Cu) aufgrund von Blattanalysen innerhalb günstiger bis sehr günstiger Bewertungsstufen. Während man im Boden geringe bis sehr geringe pflanzenverfügbare P-Gehalte (1-4 mg/kg) findet, liegt die P-Gehalte in den Blätter der N.obliqua-Bäume (1,5-3,0 mg/g) innerhalb hoher bis sehr hoher Bewertungsstufen. Es ist zu vermuten, dass die P-Aufnahme durch die Ausbildung von Mykorrhiza-Symbiosen verbessert wird.

Standortvariabilität und Produktivität von N. obliqua-Wäldern

Sowohl die Standortvariabilität als auch die Produktivität von N.obliqua-Beständen in Zentral- und Südchile hängen stark vom Klima ab. Bei der Betrachtung des landesweiten Maßstabs hinsichtlich der Wasserbilanz der Standorte wurden die Luftfeuchtigkeitsindizes und die Evapotranspiration als wichtige klimatische Parameter der Standortvariabilität und der Produktivität erkannt. Die Produktivität läßt sich überwiegend (mit 53% der Varianz) durch den Luftfeuchtigkeitsindex in der Wachstumsperiode erklären. 

Mit Veränderung des betrachteten Maßstabs von einer landesweiten zu einer regionalen Maßstabsebene wurden, bei ähnlichen makroklimatischen Eigenschaften, die edaphischen Eigenschaften der Körnung (T-, U-Anteil) und der TRD sowie die Topographie (Höhenlage) als wichtige Standortvariablen zur Erklärung der Produktivität identifiziert. Jedoch zeigen sowohl die edaphischen als auch die topographischen Variablen eine enge Beziehung zum Klima des Untersuchungsgebietes. Aufgrund dieser Beziehung konnte man stets den Einfluss des Klimas auf die Variabilität der Standorte auch im regionalen Maßstab deutlich erkennen. Die Produktivität wurde mit 51% der Varianz durch den Faktor Höhenlage des Geländes erklärt.

Die untersuchten Standorte von N.obliqua-Beständen zeigen eine besonders hohe Produktivität im südlichen Teil des Längstals (39°00’ bis 41°00 s.Br. und 72°15’ bis 72°55’ westlichen Längengrad). Diese Standorte befinden sich zwischen 200 und 300 m ü NN. Bei einer jährlichen Betrachtung klimatischer Parameter variiert die Niederschlagsmenge zwischen 1.500 und 2.000 mm, liegt die Dauer der Trockenperiode bei < 2 Monaten und die Evapotranspiration unter 600 mm.


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